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 Texte aller Art, Gedichte, Lyrik, Kurzgeschichten
Gast ( gelöscht )
Beiträge:

23.06.2003 19:01
RE: verzweifelt antworten

Verzweifelt

Eine Tür wurde geöffnet. Man zerrte mich mit aller Macht in einen stockdusteren Raum. Ich versuchte mich zu wehren. Wollte schreien, doch kein Laut kommt aus meiner Kehle. Ich wollte um mich schlagen, treten, beißen, kratzen, doch meine Gliedmaßen gehorchten mir nicht. Ich wollte irgendetwas tun, nur um nicht hier bleiben zu müssen. Doch umsonst. Bevor ich mich versah, war ich allein. Ich sah nichts. Alles war schwarz. Es roch modrig und verschimmelt. Voller Ekel verkrampfte sich mein Körper noch mehr, doch es war mir egal. Es war mir alles egal. Resigniert ließ ich mich auf die Seite fallen und schloss die Augen. Ich wollte so gerne vergessen. Vergessen wo ich war, warum ich hier war, wer ich war und was ich gesehen hatte. Ich bemerkte wie mir diese Gedanken Tränen in die Augen trieben, doch ich war zu schwach um sie aufzuhalten. Tränen die mein Leben kennzeichneten, meine Trauer, mein Versagen, meine Unfähigkeit, meine Wehrlosigkeit. In einem Wort zusammengefasst meine Schwäche. Ich war nichts und ich würde nie wieder etwas sein. Ich versuchte zu schlafen, doch noch nicht einmal dies gelang mir. Ich war eben nichts, ohne Talente, ohne Fähigkeiten. Aber eines konnte ich: Ich schaffte nie etwas. Das ist doch auch ein Geschick, wer schafft das schon? Mein Inneres lachte. Es war kein fröhliches Lachen, sondern ein gezwungenes, trauriges Lachen. Dieser Gedanke quälte mich in die Realität zurück. Ich sah mich um. Meine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt. Ich konnte die Wände ausmachen, die einen quadratischen Raum bildeten. Doch kein Fenster ließ Licht herein. Ich erblickte die Tür. Versuchte sie zu erreichen, doch ich konnte mich einfach nicht bewegen. Ich saß da und fühlte mich als wäre ich tot. Meine Finger waren eiskalt, mein Körper erstarrt, meine Gedanken überschwemmt, mein Gehirn ausgeschaltet und trotzdem: Ich lebte. Auch wenn mich nur noch ein Hauch von Leben durchflügelte, ich wollte weiterleben. Ich versuchte meinen Mund zu befeuchten, schluckte und schluckte, aber mein Rachen war wie ausgetrocknet. Ich umfuhr mit meiner Zunge meinen Mund, aber alles was ich schmeckte waren getrocknete Tränen. Langsam bewegte ich meine Finger, wollte das Gefühl für meinen Körper wiedergewinnen, doch die Schwäche war stärker. Verzweifelt klammerte ich mich an die Wirklichkeit. Ich wollte nicht bewusstlos werden. Ein Schmerz durchzuckte meinen Körper. Ein lächeln schob sich auf mein Gesicht. Ich spürte meinen Fuß. Eisige Schmerzen durchzogen meinen Körper. Mein Herz schlug schneller. Ich hatte Gewalt über meinen Fuß, über meinen Körper, über mich. Ich nutzte diese Chance. Wollte mich befreien. Ich kam auf die Beine, schwankte, aber ich konnte mein Gleichgewicht wiederfinden. Zielgerichtet steuerte ich auf die Tür zu. Ich ignorierte die Schmerzen, die mittlerweile auch meine Arme erreicht hatten. Ich wollte nur raus. Ich hämmerte, schlug - ich kämpfte. Doch gleichzeitig bemerkte ich wie meine Kraft schwand, ich verlor den Boden unter den Füßen. Hart schlug ich auf den Boden auf und rollte auf den Bauch. Verzweifelt kämpfte ich gegen die Bewusstlosigkeit an. Meine Augen schlossen sich, doch in diesem Moment wurde die Tür aufgerissen. Aus den Augenwinkeln konnte ich drei Personen erkennen. Alle weiß- rot gekleidet. Ich war gerettet, schoss es mir durch den Kopf. Sie starrten mich an. Ausdruckslose Gesichter. Ihre Augen blickten mich kalt an. Mir schien es, als schauten sie durch mich hindurch. Sie nahmen mir den Atem. Mein Körper spannte sich an. Angst benebelte meine Sinne. Die Gestalten kamen auf mich zu, keine zeigte eine Reaktion bis sie wenige Zentimeter vor mir zum Stehen kamen. Meinen Körper umgab Furchtsamkeit. Eine plötzliche Reaktion veränderte binnen weniger Sekunden mein Leben. Die Ärztin zog eine Spritze. Ich sah die lange Nadel immer schneller auf mich zu kommen. Mit meinen Lippen formte ich das Wort Nein, doch ich blieb unerhört. Ich bemerkte ein Pieksen. Mein rechter Arm wurde taub. Das Mittel breitete sich in Sekundenschnelle aus. Alles war leer und taub. Kein Zucken erinnerte mich an einen Muskel. Ich spürte nichts mehr. Mit einem Schlag war alles vorbei. Ich konnte nicht mehr denken, meine Gedanken waren ausgelöscht, mein Körper apathisch. Meine Augen fielen wie zwei Steine runter. Alles war schwarz. Ich war tot.

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