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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 483 mal aufgerufen
 Texte aller Art, Gedichte, Lyrik, Kurzgeschichten
Felios Offline



Beiträge: 416

02.07.2003 20:50
RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Langsam bewegen sich der Polizeichef, zwei seiner Kollegen und ich auf den freien Platz zu, die Häuser schmiegen sich an die enge Straße, dunkel. Dunkle Häuser bis auf das sandbraune Mauerwerk. Es herrscht Nacht. Unsere Lasersuchscheinwerfer tasten die Gasse ab. Der freie Platz rückt näher. Schließlich haben wir unser Ziel erreicht, und die Ahnung des Polizeichef erweist sich als richtig. Zu unserer Linken erwischen wir drei junge Burschen und eine junge Gefährtin, wie sie einen Karton tragen, auf der eine Firmenaufschrift steht. Der beklaute Laden nur wenige Meter daneben. Die Kleidung der Diebe erinnert an Militärs. Gürtel hängen in Fetzen herab. Doch sie sind nicht allein, vor uns befinden sich zwei Dreiergruppen, die offenbar beim Klau behilflich sein wollten.
Ich setze mich hinter die Lasermaschine und stelle die Utzi in der Mitte auf Feuerkraft.
Die beiden Dreiergruppen mit insgesamt drei sehr, jungen Frauen, ärmlich gekleidet, halten inne. Ich ziele genau auf eine Dreiergruppe. Der Kollege rechts von mir nickt. Ich halte mich bereit. Der Polizeichef spricht drohende Worte aus. Und endet mit „Damit ihr seht, dass wir es ernst mit unserer Warnung meinen, werden wir ein Exempel statuieren“. Er gibt mir das Zeichen und ich schieße. Die rasch hintereinander abgefeuerten Kugeln durchschlagen die Brüste zweier Frauen und die eines Kameraden. Blut spritzt keines. Der Tod tritt unmittelbar ein. Die restlichen sieben ergreift Panik. „Warum?“ schreien sie erbittert. „Warum habt ihr das getan?“. und die junge Frau, die mich irgendwie in ihren Bann zieht, klagt mich vorwurfsvoll an: „Warum müsst ihr immer gleich schießen und eure Kugeln verpulvern?“ Ich weiß es selbst nicht genau, warum ich das hier tat und tue. Sicher, der Druck des Polizeichefs. Der böse, warnende Blick in seinen Augen, der mich hypnotisiert und meinen Verstand und die Vernunft jeglichen menschlichen Handelns ausschaltet. Die Szenerie verkommt zur Farce.
Plötzlich gibt es nur noch mich und die junge Frau. Mittellange, braune Haare trägt sie. Ihr ovales Gesicht wirkt traurig. Und mich erfassen plötzlich unendlich große Schuldgefühle.
Sie fährt fort: „Ich kenne dich, ich habe dich gesehen und vom ersten Moment an geliebt. Dein Tun und Handeln hat mich beeindruckt und fasziniert zugleich. Ja, ich liebte dich bis heute. Nun kenne ich dich nicht mehr. Jetzt hasse ich dich!“ Fassungslos stehe ich ihr gegenüber, kann den Sinn und Inhalt ihrer Worte gar nicht glauben. „Du hast Recht!“ sage ich schuldbewusst, „es ist alles meine Schuld. Mein Fehler. Ich werde diese Last ewig mit mir herumtragen. Eigentlich wollte ich deine Kameraden nicht töten, aber etwas hat mich bedrängt. Dies kann ich nie mehr gutmachen. Töte mich, bitte!“ Sie reagiert vollkommen anders, als ich erwarte. Sie lächelt, aber es ist kein befreiendes Lachen, sondern ein spöttisches, verzweifeltes Lachen, das mir Angst einflößt. „Weißt du, ich kann nicht aufhören. Das soll alles gewesen sein? Das glaube ich nicht. Versprich mir das du in Zukunft nicht mehr dabei mitmachst!“ Mit keinem Wort erwähnt sie den Tod der anderen. Ich verspreche es und wir plaudern über dies und jenes. Ehe ich es recht begreife, berühren ihre Lippen die meinigen und wir küssen uns leidenschaftlich. Sie ergreift meine Hand mit ihren zarten, gebrechlich wirkenden Fingern. Sie fühlen sich eisig kalt an, aber die Berührung lässt mich von neuer Energie durchströmen.
Wir verlassen gemeinsam und verliebt den Platz des himmlischen Friedens.

(c) Felix W.

Lita2 ( gelöscht )
Beiträge:

02.07.2003 21:56
#2 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Also ich finde den schnellen Stimmungswechsel am Ende unpassend und in welcher Zeit schießt man bitte mit Laserpistolen, also 2003 bestimmt noch nicht, oder?

Felios Offline



Beiträge: 416

03.07.2003 12:42
#3 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

zu 1.

Die Realität kann manchmal sehr banal sein, zugleich aber grausam und menschenverachtend.

zu 2.

Die Zukunft kann es auch. Vielleicht wird es sie?
Und wo steht geschrieben,dass das Ereignis in der Gegenwart spielt?

Gruß,
Felios

UlrikeJonack Offline



Beiträge: 19

07.07.2003 12:48
#4 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Platz des himmlischen Friedens – das ist eine Art Codewort geworden. Wenn dieses Wort fällt, geht es um genau diese Ereignisse in China. Es sei denn, etwas anderes wird ausdrücklich gesagt, dann geht es um vergleichbare Ereignisse oder um ein ereingniss, das damit verglichen werden soll. Nun ist aber ein „Klau“ etwas völlig anderes als ein Dissidenten-Aufmarsch – was also soll dieses Codewort?

Wieso bitte schlendern die beiden unbehelligt davon? Hat der Polizeichef etwa angesichts der Plauderei (Er hat eben noch ohre Freunde getötet!!) und des Kusses (wie kam es dazu? Sie im Scheinwerferlicht und von Bewaffneten umzingelt und er auf dem Fahrzeug!) den Romantischen gegkriegt und die Diebin flugs freigesporchen? Und hat bei der Gelegenheit seinem Untergebenenen mal schnell sein despektierliches Verhalten verziehen?

Wobei soll der Erzähler nicht mehr mitmachen? Und womit kann sie nicht aufhören?

Wieso soll sie ihn töten? Und wie? Sie ist eben von hochgradig Bewaffneten beim Klauen gestellt worden! Was würde wohl passieren, wenn sie auf einen in der Polizeitruppe losgehen würde…?

Wo hat sie ihn schon mal gesehen und was hat er da so Heroisches getan, dass sie sich verliebte? Und wieso schwatzt sie jetzt – im Angesicht des Todes – in so schmalzigen Worten davon?

Was bitte sind Laserscheinwerfer? Wozu solch ein technischer Aufwand, nur um einen Platz zu erhellen? Oder sieht man in Laserlicht was, was man sonst nicht sieht? Was?


PS: Alte Frauen haben gebrechlich wirkende Finger, junge Frauen haben zerbrechlich wirkende Finger.

Felios Offline



Beiträge: 416

08.07.2003 12:24
#5 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Vielen Dank,Ulrike,für die ausführliche Antwort bzw. die vielen Fragen ;-)

Du hast schon recht, die Geschichte wirkt unfertig, wie ein zaghaftes Manuskript, das noch gehöriger Verbesserungen bedarf.
Was aber ist,wenn ich die Geschichte gar nicht genauer niederschreiben kann,weil ich es nicht weiß?
Erinnerungen verblassen manchmal zu rasch, um das Erlebte in allen Details und mit aller Logik auf ein Blatt Papier zu bringen.
Es gibt auch authentische Erlebnisse, die fern jeglicher Logik sind, wirr und mit schnellen, phantasievollen Wendungen. Die die reale Logik gewissermaßen auf den Kopf stellen, unsinnige und wahnwitzige Szenen einfügen, ja der puren Fiktion entsprungen sind oder es scheinen.
Diese Geschichte basiert auf solch einer Phantasie,aber sie ist zugleich authentisch,denn ich habe sie geträumt.
Und ich hab diesen Traum gleich am selben Morgen niedergeschrieben,weil er mir zwar unlogisch,aber auch faszinierend erschien.
Der Platz des Himmlischen Friedens, ich gebe zu, der Traum "sagte" mir nicht,wie der Platz hieß,den "ich" betrat,aber die Ereignisse dort erinnerten an eine Studentenrevolte - vielleicht werde ich das in einer 2.Fassung noch präzisieren können - und irgendwie vermutete ich,dass es nur dieser Platz sein konnte.
Der Hintergrund der Geschichte erklärt natürlich auch die futuristisch anmutende Verwendung von Laserscheinwerfern,die keinen anderen Zweck erfüllen,als die Gasse und den Platz nach "Unruheherden" abzusuchen, zu scannen.
In dem Augenblick,wo mein "Ich" das Mädchen entdeckt, sind Raum und Zeit aufgehoben, es existiert keine Maschine mehr,kein Fahrzeug, und auch kein Platz,sondern nur noch diese Individuen,die über Vergangenes und die Zukunft reden.
Doch ihr Gespräch wird dadurch beendet,dass sie diesen Platz verlassen.

Ich hoffe,ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen.
Es ist immer wieder interessant,worauf Leser achten,wie sie eine Geschichte interpretieren,welche Details und Unstimmigkeiten ihnen auffallen.
Daher bin ich Kritik auch immer aufgeschlossen.

Gruß,
Felios

*Johanna ( gelöscht )
Beiträge:

28.07.2003 21:19
#6 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Der Tod und das Mädchen....dieser Titel erinnert mich an ein Gedicht....das möchte ich nur zu bedenken geben.
*Johanna


Claudius Matthias

Der Tod und das Mädchen

Vorüber! Ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh, Lieber!
Und rühre mich nicht an. - -

"Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund und komme nicht zu strafen.
Sei guten Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!"

UlrikeJonack Offline



Beiträge: 19

01.08.2003 15:42
#7 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Als Traum kann es funktionieren – dann sollte aber das Traumhafte besser zu spüren sein. Oder es wird im Text irgendwo angedeutet (am Anfang oder am Ende), dass es ein Traum ist.
Das "Verschwinden" der Soldaten rundum müsste erwähnt werden, Übergänge, die im Traum einfach stattfinden, müssen hier wenigstens skizziert werden. Es ist also weniger eine Frage der nicht mehr erinnerbaren „Fakten“ sondern der stilitischen Bearbeitung.
Und: Wer befiehlt eigentlich, dass du den Traum genau so aufschreiben musst, wie du ihn hattest (, mal davon abgesehen, dass selbst die erste „Erinnerung“ meist nur eine Interpretation ist…)

Felios Offline



Beiträge: 416

01.08.2003 17:07
#8 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Da mag etwas dran sein,Ulrike.
Der hier veröffentlichte Text ist i.d.T. "nur" die erste Erinnerung an diesen Traum.
Ich hege den Gedanken, diese Erinnerungen in eine eigenständige Geschichte umzuwandeln.
Manche Gedankensprünge werden jedoch unverändert bleiben,damit die Geschichte als "Traum" zu identifizieren sein wird.
Ich wollte nur einmal erfahren,wie die Erzählung auf Euch wirkt,ohne,dass ihr den wahren Hintergrund kanntet.
Das fand ich sehr interessant.

Zum Titel, ich wollte damit nicht den von Claudius "klauen",ich kannte dieses Gedicht sowieso nicht.
Trotzdem danke für den Hinweis.

Gruß,
Felix

Gast ( gelöscht )
Beiträge:

06.09.2003 01:29
#9 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

Zitat
Gepostet von Felios
Langsam bewegen sich der Polizeichef, zwei seiner Kollegen und ich auf den freien Platz zu, die Häuser schmiegen sich an die enge Straße, dunkel. Dunkle Häuser bis auf das sandbraune Mauerwerk. Es herrscht Nacht. Unsere Lasersuchscheinwerfer tasten die Gasse ab. Der freie Platz rückt näher. Schließlich haben wir unser Ziel erreicht, und die Ahnung des Polizeichef erweist sich als richtig. Zu unserer Linken erwischen wir drei junge Burschen und eine junge Gefährtin, wie sie einen Karton tragen, auf der eine Firmenaufschrift steht. Der beklaute Laden nur wenige Meter daneben. Die Kleidung der Diebe erinnert an Militärs. Gürtel hängen in Fetzen herab. Doch sie sind nicht allein, vor uns befinden sich zwei Dreiergruppen, die offenbar beim Klau behilflich sein wollten.
Ich setze mich hinter die Lasermaschine und stelle die Utzi in der Mitte auf Feuerkraft.
Die beiden Dreiergruppen mit insgesamt drei sehr, jungen Frauen, ärmlich gekleidet, halten inne. Ich ziele genau auf eine Dreiergruppe. Der Kollege rechts von mir nickt. Ich halte mich bereit. Der Polizeichef spricht drohende Worte aus. Und endet mit „Damit ihr seht, dass wir es ernst mit unserer Warnung meinen, werden wir ein Exempel statuieren“. Er gibt mir das Zeichen und ich schieße. Die rasch hintereinander abgefeuerten Kugeln durchschlagen die Brüste zweier Frauen und die eines Kameraden. Blut spritzt keines. Der Tod tritt unmittelbar ein. Die restlichen sieben ergreift Panik. „Warum?“ schreien sie erbittert. „Warum habt ihr das getan?“. und die junge Frau, die mich irgendwie in ihren Bann zieht, klagt mich vorwurfsvoll an: „Warum müsst ihr immer gleich schießen und eure Kugeln verpulvern?“ Ich weiß es selbst nicht genau, warum ich das hier tat und tue. Sicher, der Druck des Polizeichefs. Der böse, warnende Blick in seinen Augen, der mich hypnotisiert und meinen Verstand und die Vernunft jeglichen menschlichen Handelns ausschaltet. Die Szenerie verkommt zur Farce.
Plötzlich gibt es nur noch mich und die junge Frau. Mittellange, braune Haare trägt sie. Ihr ovales Gesicht wirkt traurig. Und mich erfassen plötzlich unendlich große Schuldgefühle.
Sie fährt fort: „Ich kenne dich, ich habe dich gesehen und vom ersten Moment an geliebt. Dein Tun und Handeln hat mich beeindruckt und fasziniert zugleich. Ja, ich liebte dich bis heute. Nun kenne ich dich nicht mehr. Jetzt hasse ich dich!“ Fassungslos stehe ich ihr gegenüber, kann den Sinn und Inhalt ihrer Worte gar nicht glauben. „Du hast Recht!“ sage ich schuldbewusst, „es ist alles meine Schuld. Mein Fehler. Ich werde diese Last ewig mit mir herumtragen. Eigentlich wollte ich deine Kameraden nicht töten, aber etwas hat mich bedrängt. Dies kann ich nie mehr gutmachen. Töte mich, bitte!“ Sie reagiert vollkommen anders, als ich erwarte. Sie lächelt, aber es ist kein befreiendes Lachen, sondern ein spöttisches, verzweifeltes Lachen, das mir Angst einflößt. „Weißt du, ich kann nicht aufhören. Das soll alles gewesen sein? Das glaube ich nicht. Versprich mir das du in Zukunft nicht mehr dabei mitmachst!“ Mit keinem Wort erwähnt sie den Tod der anderen. Ich verspreche es und wir plaudern über dies und jenes. Ehe ich es recht begreife, berühren ihre Lippen die meinigen und wir küssen uns leidenschaftlich. Sie ergreift meine Hand mit ihren zarten, gebrechlich wirkenden Fingern. Sie fühlen sich eisig kalt an, aber die Berührung lässt mich von neuer Energie durchströmen.
Wir verlassen gemeinsam und verliebt den Platz des himmlischen Friedens.

(c) Felix W.

Felios Offline



Beiträge: 416

15.09.2003 21:12
#10 RE: Der Tod und das Mädchen antworten

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