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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 242 mal aufgerufen
 Rund um Literatur
Arminus Offline



Beiträge: 384

16.02.2013 09:03
RE: Sind gereimte Gedichte noch zeitgemäß? antworten

Als Hobby-Dichter mit einigen Veröffentlichungen frage ich mich inzwischen immer mehr, ob meine Art, Gedichte zu schreiben, also mit passender Metrik, sauberen Endreimen und klarer Struktur noch zeitgemäß ist, und was zur Abkehr von dieser Form des Gedichteschreibens führt(e).
Eines ist klar, die vermehrten Möglichkeiten, eigene (Mach-)Werke einem immer größeren Publikum präsentieren zu können führt zu einer lawinenartig anschwellenden Flut mehr oder minder gut geschiebener Gedichte.

Allein bei WKW gibt es unzählige Gruppen, in denen Texte "verbrochen" werden nach dem Motto:
„Was in vierzeiligen Strophen geschrieben wird, sich hinten reimt und sehr seltsame Satzstellungen aufweist ist ein Gedicht!“

Das klingt dann so ähnlich -->

Gelaufen durch den Herbste
Mit dem Fusse stets im Staub
Tritt auf Äpfel die verderbste
und es raschelt trock`nes Laub


Ja, und dann kommen Kommentare wie:

"Genau den Punkt getroffen, tolle Verse, ich rieche geradezu den Herbst, spüre den Sturm (wo?), höre das Laub rascheln und fühle den Geschmack der Äpfel (die verderbste?)...“

Stellst du den "Schrott" in Frage, dann fällt die Community über dich, den "Spielverderber" her, dann alle anderen - bis auf zwei, drei Ausnahmen - schreiben so ähnlich -->

Ich zitiere:


D'rum sichten,
sollt' der Mensch,
und bedichten
was die Natur
ihm alles bringt,


***

So, hier mal ein Schnellschuss von mir,
als Antwort zu einem solche "Gedicht",
geschrieben am 14. Januar 2013:

Wenn Suffköpp mit knallroter Nase
an jedem Baume ihre Blase
entleeren, dabei weitertrinken
und lallend dann zusammensinken,

in Notaufnahmen liegen dumm
die vollgesoffnen Narren rum,
vom Schulkind bis zum Mümmelgreies
stinkt alles nur nach Schnaps und Sch(w)eiß,

ein jeder hofft, bald ist`s soweit,
zu End`die fünfte Jahreszeit ...


Kein Copyright, das ist zwar von mir, aber einige Passagen erfüllen meinen selbst gesteckten Qualitätsanspruch nicht, ich werde es wohl noch mal überarbeiten, bis es wieder aktuell wird.

Nun denn, auf das folgende Teil bin ich recht stolz:

Das Seebegräbnis, es misslang
total durch hohen Wellengang.
Es sanken, samt dem alten Kutter,
des Toten Kinder, Frau und Mutter,
und lediglich, hieß es soeben,
die Urne konnte überleben ...


© Harald Herrmann


Zurück zum Thema:

Wenn man nun als Ersteller dieser Gedichtform (gereimte Gedichte) einen Verlag sucht, so winken inzwischen fast alle ab, die Begründung:

„Lyrik verkauft sich nicht!“

Frage:

Ist diese Art, Gedichte professionell zu schreiben, tatsächlich wegen mangelnder Nachfrage zum Aussterben verurteilt?

Das fragt der Dichter, Denker, Taxilenker Harald Herrmann, der BUECHERRMANN

Liebe Grüße vom

Dichter, Denker, Taxi-Lenker

Harald

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Errare humanum est - heißt das nicht, seid menschlich mit den Irren?[/center]

Unstern Offline




Beiträge: 1.334

16.02.2013 16:43
#2 RE: Sind gereimte Gedichte noch zeitgemäß? antworten

Gedichte basieren auf Reim oder Rhythmus.

Wer Gedichte schreibt, sollte sich grundsätzlich mal mit dem Konzept der Metrik auseinandersetzen. Folgt man dieser nicht, merkt man, dass sich im Gedicht "was nicht ausgeht". Das ist wichtig - reimen kann es sich trotzdem, aber das ist nicht das Ausschlaggebende.

Arminus Offline



Beiträge: 384

16.02.2013 17:43
#3 RE: Sind gereimte Gedichte noch zeitgemäß? antworten

Zitat
Gepostet von Unstern


Wer Gedichte schreibt, sollte sich grundsätzlich mal mit dem Konzept der Metrik auseinandersetzen.



... und genau da hapert es bei den meisten begeisterten Gedichteschreibern - und meiner Meinung nach wird da so viel "zugemüllt", auch und gerade mit Ebook-Selfpublishing, dass gute Verlage nur noch abwinken,da sie sich nicht durch abertausende von Gedichten wühlen wollen!

Liebe Grüße vom

Dichter, Denker, Taxi-Lenker

Harald

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Ylva Offline



Beiträge: 38

17.02.2013 17:45
#4 RE: Sind gereimte Gedichte noch zeitgemäß? antworten

Wenn man wirklich gerne Gedichte schreibt, sollte man sich zumindestens die Grundlagen einmal angeschaut haben. Heißt ja nicht, dass man dann gleich perfekte Gedichte schreiben muss, aber was dabei rauskommt klingt dann meistens besser. Ich persönlich finde gereimte Gedichte am besten, deswegen versuche ich mich auch darin, selber welche zu verfassen.
Ich muss sagen, dass ich moderne Gedichte teilweise sehr schön finde. Die "alten Dichter" haben zwar sehr schön gedichtet, aber den Inhalt finde ich oft sehr langweilig. Selten finde ich mal ein Gedicht, das mir wirklich gut gefällt, habe aber letztens Robert Frosts "Fire and Ice" für mich entdeckt. Wirklich sehr schön.

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Lesen heißt durch fremde Hand träumen.

Fernando Pessoa

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