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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 272 mal aufgerufen
 Texte aller Art, Gedichte, Lyrik, Kurzgeschichten, Altbeiträge
TinaEpiphone Offline



Beiträge: 5

22.12.2011 16:50
RE: Alisa Antworten

Alisa

Ich heiße Alisa und lebe auf einer Farm. Auf einer besonderen Farm. Zusammen mit einer Menge anderer. Viele sind der Meinung, dass ich aufgrund meiner weißen Haare und meinen stechend blauen Augen etwas ganz Besonderes bin, doch hier bin ich nur eine von vielen.

Ich sehe das rot am Horizont, das den Sonnenaufgang ankündigt. Viele bewundern ihn und seine oft atemberaubende Schönheit und seine prächtige Farbenpracht. Für viele ist er ein Symbol für Hoffnung und Neuanfang. Für uns ist er das Symbol für den Anfang vom Ende. Wenn die ersten Sonnenstrahlen über die Landschaft lecken, sende ich ein Stoßgebet an die Sonne, sie möge sich weiter hinter den Bergen versteckt halten und uns noch ein paar Stunden voller Qual und Leiden ersparen. Doch jeden Morgen werde ich aufs Neue enttäuscht. Jeder Morgen ist der Beginn für sie uns mit ihren Gräueltaten zu quälen.

Sie kommen. Ich kann sie hören. Gesprächsfetzen und ihr widerliches Gelächter dringen an mein Ohr. Ihre Stimmen sind für mich Säure in meinen empfindlichen Ohren. Ein Schauer streichelt mir über den Rücken. Ich habe ihre Stimmen hassen gelernt.
Sie kommen näher. Ihre Schuhe knirschen im Kies. Näher. Sie balancieren ihre schweren Eisenrohre in ihren fleischigen Händen. Näher. Sie benutzen nicht immer Eisenstangen. Näher. Manchmal sind es auch einfache Baseballschläger. Näher. Sie benutzen auch gerne ihre bloßen wulstigen, widerwärtigen Hände. Sie sind an unseren Lagern angekommen; ihre Blicke streifen uns. Sie begutachten uns, wie Raubtiere, die kurz davor sind sich auf ihre Beute zu stürzen und zu zerfleischen. Raubtiere auf der Jagd. Grausame Raubtiere.
Ihre Wahl fällt auf eine aus Käfig Nummer zwei. Ein mir unbekanntes Gesicht. Nur eine von vielen.

Blut. Überall Blut. Auf der Erde, dem Gras, es kriecht an den Wänden hinunter. Das meiste Blut kann man an ihren Händen finden. Sie waschen es jedes Mal ab und doch wird es für immer kleben bleiben.

Mittagspause. So nennen sie es immer. Während ihrer Mittagspause kriegen wir sie meistens nicht zu Gesicht, doch sie scheinen nicht weit weg zu sein, da man immer wieder schallendes Gelächter oder den Ausschnitt eines Gesprächs hören kann. Ich nehme an, sie nehmen etwas zu sich um sich zu stärken, um sich für den zweiten Akt vorzubereiten; essen und trinken etwas, während wir unerträglichen Hunger und Durst erleiden müssen. Sie halten es nicht für Nötig, sich darum zu kümmern, dass wir frisches Wasser oder Essen haben. Wir können uns ja nicht dafür sorgen, wir sitzen hier nur in unseren viel zu engen Käfigen , eingesperrt, und warten auf unser Ende. Warten auf unseren Tod. Auf unseren grausamen und unnützen Tod.
Ich schrecke aus meinem kurzen, aber erholsamen Mittagsschläfchen auf, geweckt von den sich nähernden Stimmen. Wieder sie. Diese Leute. Diese Kreaturen. Wer soll es auch sonst sein? Sie reiben sich erwartungsvoll die Hände. Dass diese Widerlinge ihre abnormen Perversitäten genießen war mir schon seit langer Zeit kein Rätsel mehr. Man kann es an diesem kranken Glitzern in ihren Augen erkennen. Die Vorfreude. Wieder werden wir ganz genau begutachtet. Wie irgendeine Ware im Supermarkt. Nicht, dass es eine Rolle spielt, wie wir aussehen, aber sie suchen sich trotzdem meistens die ängstlichsten und hilflosesten von uns aus. Diesmal trifft es jedoch nicht nur irgendein unbekanntes Gesicht. Ihre Wahl fällt auf meine Schwester. Sofia. Sie lebt, genauso wie ich, schon seit ihrer Geburt auf der Farm. Leider kenne ich sie nicht sehr gut, beziehungsweise gleich kann ich ja sagen kannte. Das liegt daran, dass man uns von Anfang an getrennt und in verschiedenen Käfigen untergebracht hatte. Und doch empfinde nichts als diesen zerfressenden Schmerz, als ich beobachte, wie die Monster sie packen und routiniert das Leben aus ihrem zart gebauten und feingliedrigen Leib prügeln. Blut. Überall. Eine riesige Menge an Blut.

Ich hatte noch mehr Brüder und Schwestern. Mit Sofia ist heute mein letztes Geschwisterchen gestorben, naja man muss eigentlich sagen auf grausamste Art und Weise getötet worden. Es ist ein ungeheurer Verlust, den ich erdulden muss. Jeden Tag werden hier Familien zerstört und zerbrochen. In unseren Augen kann man nur noch die Trübheit der Hoffnungslosigkeit erkennen. Unser Wille, unsere Körper und unsere Seelen sind gebrochen. Und nichts uns niemand wird uns heilen können. Nichts und niemand hilft uns. Nichts und niemand wird jemals hier herkommen und uns von unseren Qualen befreien.

Ich heiße Alisa und lebe auf einer Farm. Auf einer besonderen Farm.
Ich heiße Alisa, bin ein kleines weißes Kaninchen mit stechend blauen Augen und lebe auf einer Pelztierfarm.

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Ich bitte um so viel konstruktive Kritik wie möglich

Helferlein ( gelöscht )
Beiträge:

27.12.2011 18:07
#2 RE: Alisa Antworten

Hallo Tina,

nun, da kein anderer moechte, werde ich dir ein Paar Zeilen mitzugeben.

Negatives zuerst, denn leider gefaellt mir diese Geschichte nicht. Vielleicht bin ich aber auch nur durch deine andere Geschichte "Hero of War" von deiner Ausdrueckweise und dem runden "Stricken" einer Story verwoehnt. Dieses Thema an sich laesst sich meiner Meinung nach auch viel besser umsetzen, wenn man auf soviel Blut verzichtet.

Ich glaube, dass Tiere in sogenannten Pelzfarmen (welch schoenes Wort fuer eine schlechte Sache) durch Gas umkommen, aber nicht durch Totschlag mit z. B. Eisenstangen. Das wuerde ihr Fell unbrauchbar machen! Mit den Robben geschieht sowas tatsaechlich, weil man keine andere Methode als das "vor Ort Abtoeten" entwickelt hat. Leider!

Die Erzaehlperspektive der Ich-Person kommt, so wie die Geschichte geschrieben ist, nicht gut an. Auch dass das Kaninchen im Kaefig eingepfercht ist und doch soviel mitbekommt, was auf der Farm vor sich geht, passt nur unvollkommen, aufgrund der eingeschraenkten Wahrnehmungsmoeglichkeiten im Kaefig.

Der Schluss, in dem der Name wiederholt wird, passt ganz und gar nicht zur Story und wirkt kuenstlich aufreisserisch, jedoch ohne Wirkung. Ich habe den Eindruck als ob diese Geschichte fuer Kinder im zweiten Schuljahr (oder aehnliche Altersgruppe) geschrieben wurde. Wenn dem so ist, kannst du viel mehr Spannung und Glaubwuerdigkeit in die Geschichte bringen, z. B. so:

Alisa ist voellig unwissend, was auf der Farm vor sich geht, weil es ihr niemand gesagt hat. Durch Zufall entkommt sie dem Kaefig und hoppelt auf Erkundungstour durch die Farm. Dabei sieht sie, was mit ihren Mitgeschoepfen geschieht und ist fassungslos! Vielleicht laesst du Alisa einige Stationen einer Pelztierfarm hautnah miterleben und laesst sie beschreiben, was sie sieht. Als moegliches Ende koenntest du einflechten, dass sich zwei Mitarbeiter der Farm ueber den Unsinn der Tierzucht unterhalten und erwaehnen, dass es mittlerweile kuenstliche Felle mit denselben Eigenschaften und Qualitaeten wie echter Pelz gibt. Warum also das Ganze? (entspricht uebrigens den Tatsachen!)


Dadurch, dass Alisa nun durch das Geschehen hoppelt, hat der Leser/in die Moeglichkeit zu erfahren, wie Tiere in solchen Toetungsmaschinerien leiden und was sie erdulden muessen. Und du hast alle Moeglichkeiten sie mit all deinem Wissen ueber Pelztierfarmen vollzustopfen. Somit kannst du Alisa auch als indirektes Sprachrohr fuer den Tierschutz und gegen diese Art von Massenhaltung-/toetung machen. Somit wird aus dem Lernen Alisas ein Lehren des Lesers.

Wenn du das in der Ich-Form rueberbringst, glaube ich, dass der Stoff auch beim Leser generell gut ankommt. Aber auch die Erzaehlung in der dritten Person kannst du sehr gut verwenden, vielleicht sogar besser.

Na, was meinst du? Ich hoffe, dass ich konstruktiv genug war!

Viele Gruesse,
Helferlein

TinaEpiphone Offline



Beiträge: 5

27.12.2011 18:36
#3 RE: Alisa Antworten

Danke für deine Kritik, selbst wenn sie nicht besonders gut ausfällt weiß ich es doch sehr zu schätzen
Aber bei einem Kritikpunkt muss ich mich jetzt doch verteidigen. Ich recherchiere zu dem Thema Tierschutz und besonders zu Pelzen ziemlich viel und setze mich auch für deren Abschaffung ein, deshalb weiß ich aus verschiedenen Quellen (Texten, Bilder, Videos, etc.), dass sich die Mitarbeiter auf solchen Farmen den billigsten und einfachsten Methoden bedienen, die armen Geschöpfe zu töten und dass sind unter anderem Totschlag durch allerlei Schläger, Hände, oder die Tiere werden einfach immer und immer wieder auf den Boden geschlagen, auch werden sie oft durch Stromstöße außer Gefecht gesetzt. Vergasung wird zwar auch verwendet, das aber doch weniger.
Wie gesagt tut mir leid, aber in dem Punkt musste ich dir dann doch widersprechen
Freu mich auf weitere Kritik von dir

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